FAQ Herzsport
1. Wie finde ich eine „Herzsportgruppe in meiner Nähe“?
Die Suche nach einer lokalen Gruppe ist oft der erste Schritt. Herzsport wird meist von Sportvereinen angeboten, die eine Zertifizierung für Rehabilitationssport besitzen, oder von spezialisierten Reha-Zentren und Kliniken.
-
Tipp zur Suche: Nutzen Sie die Datenbanken der Landesverbände für Rehabilitationssport (z. B. BRSNW, BVS). Auch Ihre Krankenkasse führt Listen mit zertifizierten Anbietern in Ihrer Postleitzahlregion.
-
Cardiospital-Service: Fragen Sie auch in Ihrer behandelnden kardiologischen Praxis nach regionalen Kooperationen.
2. Herzsport Krankenkasse: Wie läuft die Kostenübernahme ab?
Herzsport ist eine gesetzlich verankerte Leistung zur medizinischen Rehabilitation (§ 64 SGB IX). Bei einer genehmigten Verordnung werden die Kosten für die Übungseinheiten zu 100 % von der Krankenkasse übernommen.
-
Der Weg: Sie reichen die ärztliche Verordnung bei Ihrer Kasse ein. Nach deren Bestätigung können Sie sofort mit dem Training beginnen.
-
Zusatzkosten: Für die Basis-Einheiten fallen keine Gebühren an. Eine freiwillige Vereinsmitgliedschaft für zusätzliche Sportangebote ist möglich, darf aber keine Voraussetzung für den Rehasport sein.
3. Was ist die Herzsport Verordnung (Formular 56)?
Das Formular 56 ist das offizielle Dokument für den „Antrag auf Kostenübernahme für Rehabilitationssport“.
-
Wer füllt es aus? Ihr Kardiologe oder Hausarzt.
-
Inhalt: Neben der Diagnose wird vermerkt, wie viele Einheiten (meist 90) in welchem Zeitraum (meist 24 Monate) absolviert werden sollen. Zudem wird Ihre aktuelle Belastbarkeit in Watt eingetragen, damit der Übungsleiter die Intensität anpassen kann.
4. Was macht man beim Herzsport eigentlich genau?
Viele Patienten befürchten eine Überforderung, doch Herzsport ist kein Leistungstraining. Er ist eine Mischung aus Bewegung, Spiel und Entspannung.
-
Ablauf: Aufwärmen, Koordinationsübungen (z. B. mit Bällen), moderates Ausdauertraining (Gehen, Gymnastik) und eine abschließende Entspannungsphase (z. B. Progressive Muskelentspannung).
-
Fokus: Es geht darum, ein Gefühl für die eigene Belastbarkeit zu entwickeln und die Herzfrequenz kontrolliert zu steigern.
5. Welche Herzsport Voraussetzungen muss ich erfüllen?
Nicht jeder Herzpatient darf sofort in die Gruppe. Es gibt klare medizinische Kriterien:
-
Belastbarkeit: Sie sollten eine Mindestbelastbarkeit von 50 Watt aufweisen.
-
Stabilität: Das Herzereignis (z. B. Infarkt oder OP) sollte in der Regel mindestens 6 Wochen zurückliegen, und der Gesundheitszustand muss stabil sein.
-
Untersuchung: Ein Belastungs-EKG ist zwingend erforderlich, um Ihre persönlichen Trainingszonen festzulegen.
6. Was ist der Unterschied zwischen Koronarsport und Herzsport?
Diese Begriffe werden oft synonym verwendet, es gibt jedoch eine kleine Unterscheidung in der Zielgruppe:
-
Koronarsport: Richtet sich speziell an Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit (KHK), z. B. nach Stents oder Bypässen.
-
Herzsport: Ist der übergeordnete Begriff und umfasst auch Patienten mit Herzklappenfehlern, Rhythmusstörungen, Kardiomyopathien oder nach Herztransplantationen.
-
Realität: In den meisten Vereinen trainieren beide Gruppen gemeinsam, da die Trainingsmethodik identisch ist.
7. Herzsport nach Herzinfarkt: Wie oft sollte ich trainieren?
Nach einem Herzinfarkt ist Kontinuität wichtiger als Intensität.
-
Häufigkeit: Die Verordnung sieht meist 1 bis 2 Termine pro Woche vor.
-
Dauer: Eine Einheit dauert in der Regel 60 bis 90 Minuten. Ziel ist es, den Körper wieder an regelmäßige Aktivität zu gewöhnen, ohne ihn zu erschöpfen. Langfristig sollten Sie versuchen, an den restlichen Tagen 30 Minuten zügiges Gehen zu ergänzen.
8. Herzsport bei Herzschwäche / Herzinsuffizienz – Ist das sicher?
Lange Zeit galt bei Herzschwäche das Gebot der Schonung. Heute wissen wir: Gezielter Herzsport bei Herzinsuffizienz ist lebensnotwendig.
-
Effekt: Das Training stärkt die Skelettmuskulatur. Eine starke Muskulatur verbraucht Sauerstoff effizienter, was das schwache Herz im Alltag massiv entlastet.
-
Sicherheit: Patienten mit Herzschwäche trainieren in speziellen Gruppen mit geringerer Intensität und besonders engmaschiger Überwachung.
9. Ist die ärztliche Aufsicht beim Herzsport Pflicht?
Ja, die Anwesenheit eines Arztes ist das Alleinstellungsmerkmal des Herzsports. Ohne anwesenden Arzt darf die Stunde offiziell nicht als Herzsport durchgeführt werden.
-
Warum? Der Arzt ist für die Sicherheit verantwortlich. Er misst bei Bedarf Blutdruck und Puls, überwacht die Belastung und steht für medizinische Notfälle sofort bereit. Dies gibt den Patienten die nötige Sicherheit, sich überhaupt erst wieder sportlich zu betätigen.
10. Gibt es Herzsport Übungen für zuhause als Ergänzung?
Der Herzsport in der Gruppe ist die Basis, aber Eigeninitiative ist willkommen.
-
Sichere Übungen: Tägliches Gehen (Plaudertempo!), sanftes Dehnen, Schulterkreisen oder leichtes Krafttraining mit Wasserflaschen im Sitzen.
-
Wichtig: Vermeiden Sie Pressatmung (starkes Anhalten der Luft bei Anstrengung) und trainieren Sie nie allein, wenn Sie sich unsicher fühlen. Nutzen Sie Pulsuhren, um Ihre Grenzen einzuhalten.
